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Baronie Dohlenfelde
Die altvorderen Zeiten
Im Gebiet zwischen dem Großen Fluß und dem von Ingerimm gesegneten Eisenwald leben schon seit Urzeiten Angroschim. Die Feste Drachenwacht soll nach zwergischen Quellen schon viele Jahrtausende vor der Landung der ersten Güldenländer im Lieblichen Feld erbaut worden sein. Die Chroniken belegen aber nicht nur die zwergischen Bewohner des Darlintales: Orks und Goblins lebten dort so zahlreich, daß es den Angroschim nicht möglich war, das Tal dem Feldbau nutzbar zu machen.
Menschen leben in den Grenzen des heutigen Dohlenfelde seit 1873 v.H., als Kundschafter Kaiser Belen-Horas am Fuße des Dachstein, im heutigen Edlengut Wolkenfold, ein kleines Kastell errichteten. 1870 v.H. wurde ein zweites, stärkeres Kastell gebaut.
Die erste von Siedlern gegründete Ortschaft Dohlenfeldes war Twergenhausen: Im Jahre 1855 v.H. befahl Belen-Horas die Anlage einer Siedlung, um seinen Biremen auf dem Großen Fluß eine Anlegestelle zu schaffen, und zwar an der Stelle an der der „Dalinus in den Großen Fluß mündet“ und mit dem Namen „Oppidum Fluminis Dalini“. Das Dorf kam aber nie über 200 Einwohner hinaus und wurde während der Dunklen Zeiten sogar ganz aufgegeben. Die Orks eroberten sich ihr Land wieder zurück.
Im Jahre 1130 v.H., in der Regierungszeit Kaiser Brigon-Horas, erinnerten sich Siedler, die von Albenhus den Großen Fluß auf der Suche nach Bauland herabzogen, des ehemaligen Dorfes und errichten an derselben Stelle eine Siedlung, deren Namen leider nicht mehr bekannt ist, da die entsprechenden Dokumente bei der Erstürmung Bosparans 993 v.H. verbrannten.
Die Baronie Dohlenfelde
Mit der Krönung Kaiser Rauls begann für diese Siedlung, die von nun an Twergenhausen genannt wurde, eine gute Zeit: Siedler aus dem verwüsteten Lieblichen Feld suchten sich eine neue Bleibe und zogen den Großen Fluß hinauf. Viele blieben in Twergenhausen, und nach 10 Jahren waren die Orks und Goblins, die das Tal des Darlin (wie „Dalinus“ von den Angroschim verballhornt wurde) jahrzehntelang für Menschen sehr gefährlich machten, vertrieben.
Twergenhausen findet seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 958 v.H., eine Urkunde Kaiser Rauls bestätigt die Existenz eines Dorfes dieses Namens an der Stelle, an der der „dalinus in den groszen flues mundet“.
Die erste urkundliche Erwähnung der Baronie Dohlenfelde findet sich im „Pamphlet zur Konsolidierung der firunwärtigen Marken“ aus dem Jahre 12 Nardes (883 v.H.). Der Kaiser legte die Grenzen der Baronie fest, die damals aber noch nicht die unbesiedelten Ländereien von Wolkenfold und Zwackelfegen umfaßte, dafür aber das „Schwesterstädtchen“ Twergenhausens, Elbertshusen am rechten Ufer des Großen Flusses mitsamt seinem Hinterland bis zur Wiesenaue, einschloß. 886 v.H. war Mühlenheim, ein Jahr später Dohlenfelde gegründet worden. Im Jahre 880 v.H. wurde die Burg Schwarzfels auf einer Insel im Darlin bei Dohlenfelde vom damaligen Baron Sigbert von Katzenstein bezogen. Zur eigenen großen Verwunderung waren die Siedler aus Twergenhausen nicht die ersten Menschen im Tal des Darlin: Am praioswärtigen Ausgang des Tals, dem Breschenpaß, fanden die Siedler eine mächtige und von einer Kompanie Waffenträger besetzte Festung mit dem almadischen Banner darüber. Die Festung war ursprünglich zum Schutze gegen die Orks aus dem Darlintal angelegt worden und schon beinahe dreihundert Jahre alt. Von nun an markierte sie die Grenze zwischen Almada und den Nordmarken.
Die Lex Zwergia
Mit der Verkündung der Lex Zwergia begannen die Siedler ihre Kontakte mit den Angroschim „ihres“ Landes zu vertiefen, und ein Urteilsspruch Kaiser Sigmans unterstellt die zwergischen Dörfer Mulgrolosch (das heutige Erzweiler), Moxarosch und Loxosch dem Baron von Dohlenfelde, die zwergischen Bewohner sollten jedoch nach wie vor dem Richtspruch des Königs der Bergfreiheit Eisenwald unterstehen. Weiterhin wurde festgeschrieben, daß der Vogt Dohlenfeldes ein Angroschim aus dem Gefolge des Bergkönigs von Eisenwald zu sein hatte.
Diese „Öffnung des Eisenwaldes“ führte zu einer schlagartigen Einwandererwelle ins Tal des Darlin. Auch die Zwerge lernten mit der neuen Situation umzugehen, konnten sie doch jetzt ihre Ingerimmsschätze und Handwerkserzeugnisse über Twergenhausen in alle Welt verkaufen. Über Erzweiler hatten die Bewohner Dohlenfeldes nun sogar eine direkte Anbindung an die durch die Hochtäler des Eisenwaldes verlaufende Handelsstraße Via Ferra. Dieser Handelsweg wurde schon zu Horas’ Zeiten lange vor der (menschlichen) Besiedlung des Eisenwaldes genutz, um das erzreiche Gebirge mit den Märkten Almadas zu verbinden.
Mit der Lex Zwergia lag Dohlenfelde von nun an aber auch in der neugeschaffenen Grafschaft Isenhag und unterstand damit einem zwergischen Grafen. Zuvor war die Zugehörigkeit der Baronie nie geklärt worden, und Dohlenfelde hatte seinen Zehnt zeitweise sogar nach Ragath gezahlt.
Eine Volkszählung zur Zeit Gerbalds I., in dessen Regierungszeit auch die glücklose Erstbesiedlung Wolkenfolds fällt, gibt die Zahl der Bewohner der Baronie mit 1305, davon 409 Angroschim, an. In den folgenden Jahre erlebte die Baronie ihre erste Blüte, Twergenhausen baute seinen Hafen aus und Wolkenfold wurde Zentrum eines rondrianischen Ritterbundes.
Der „Kleine Basaltschädel“
Die Machtübernahme der Praiospriester in Gareth 658 v.H. führte zur Zerschlagung des wolkenfoldschen Rondrianerbundes, und die Steuererhöhungen zwangen einige Handwerker Dohlenfeldes in die Schuldknechtschaft. Der vormals floriende Handel mit Rabenstein kam beinahe gänzlich zum Erliegen, da die Priesterkaiser den schwer zu kontrollierenden „Schmuggel“ in den Bergen stark einschränkten. Die Via Ferra versank in Bedeutungslosigkeit.
Der amtierende Baron Ronwald unterwarf sich dem priesterkaiserlichen Statthalter in Elenvina und brach damit mit der rondrianischen Tradition seiner altehrwürdigen Familie, was die Göttin strafte, indem sein einziges Kind auf der Jagd von einem verirrten Pfeil getötet wurde.
Sein Nachfolger jedoch bewahrte mit Unterstüzung des Bergkönigs vom Eisenwald die Bewohner Dohlenfeldes vor dem Schlimmsten: Der Angroschim Rulmasch, Sohn des Rufox wurde im Jahre 644 v.H. zum Baron gekrönt. Im selben Jahr gaben die Almadis auch ihre Grenzfestung auf. Das lange Leben des Angroschim gewährte den dohlenfeldschen Landen Schutz während der ganzen restlichen Priesterkaiserzeit. Priesterkaiser Kathay ließ in seinem ersten Regierungsjahr einen Zollturm in den Großen Fluß vor Twergenhausen bauen.
Im Jahre 529, als die Priesterkaisermacht schon bröckelte, ließ Rulmasch einen Steuereintreiber aus Gareth sogar durch Armbrustschützen auf dessen Schiff zurückeskortieren. Als der 344 Jahre alte Angroschim im Jahre 527 v.H. verstarb, hatte der gute Rohal in Gareth gerade einmal einen Mond die Macht inne. Keinem Baron haben die Dohlenfelder so viel zu verdanken wie dem „kleinen Basaltschädel“, wie der mutige und ebenso weise Angroschim auch heute noch liebevoll genannt wird.
Die albernische Dynastie
Jahre später wurde bekannt, daß eine der letzten Amtshandlungen Kaiser Gurvans II. die Unterzeichnung eines Befehls zur Exekution des aufsässigen isenhagschen Barons war. Das Bekanntwerden dieser Nachricht führte dazu, daß im Jahre 519 v.H. der aufgebrachte Mob in Twergenhausen eine durchreisende Praiospriesterin steinigte und danach in den Großen Fluß warf. Der dohlenfeldsche Praiosgeweihte wurde mitsamt seinem Gefolge und einem Dutzend „Kollaborateure“ im Zollturm vor Twergenhausen eingemauert und verhungern gelassen. Seither heißt der Turm „Mörderturm“.
Das waren schlimme Taten, die Rulmasch bestimmt nicht gebilligt hätte und deren Gewährung den Nachfolger Rulmaschs, Inxor, Sohn des Ingusch, Amt und Würden kostete: Ein hoher Gesandter Rohals, dem der Vorfall zu Gehör kam, setzte den rachsüchtigen Angroschim ab und schickte ihn in die Verbannung.
Die folgenden Jahrzehnte wurde Dohlenfelde von verschiedenen Vögten im Freiherrenrang regiert, die, ob ihrer häufigen Magiebegabung, nie das Vertrauen des abergläubigen Volks erringen konnten. Im Jahre 492 v.H. wurde schließlich das gräflisch-isenhagsche Edlengut Wolkenfold in den Händen Arn von Renwins, der den zur Priesterkaiserzeit zerschlagenen Rondraorden in Wolkenfold wieder etablierte, erwähnt, und im Jahre 466 v.H. bekommt die albernische Rittersfamilie derer von Elbing-Fairnburg vom Herzog der Nordmarken die Dohlenfelde zum Lehen verliehen. Unter den Elbing-Fairnburgs erholte sich das Land endgültig von den Wirren der Priesterkaiserherrschaft, und die alten Handelsbeziehungen wurden wiederhergestellt. Twergenhausen, das damals mindestens 600 Einwohner hatte, bekommt im Jahre 423 v.H. vom Herzog die Stadtrechte verliehen. Außerdem wurde mit der Besiedlung der links des Darlin gelegenen Wälder begonnen. In dieser Zeit wurden Wichtenfels und Wilsitz gegründet. Die Einwohnerzahl betrug nach einer Volksschätzung des Isenhager Grafen im Jahre 419 v.H. in den „Landen Dohlenfelde und Wichtenfels“ 2531, davon 398 Zwerge. Die Barone, denen ihre Wasserburg bei Dohlenfelde zu eng geworden war, ließen sich eine neue Heimstatt am Hang des Dohlenspitz über dem Großen Fluß erbauen: die stolze Burg Dohlenhorst.
408 v.H. bekam auch Elbertshusen vom Herzog die Stadtrechte verliehen. Mit der Schaffung der Baronie Ludgenfels im südlichen Gratenfels wurde die Stadt gleichzeitig aus Dohlenfelde herausgelöst. Arion von Elbing-Fairnburg, Baron von Dohlenfelde, verzichtete feierlich auf die Ländereien am rechten Ufer des großen Flusses. Als Entschädigung bekam das dohlenfeldsche Geschlecht eine nicht unerhebliche Geldsumme.
Von 496 bis 452 v.H. baute die Ingerimmspriesterin Manjescha von Ferdok ohne fremde Hilfe, nur mit selbst hergestellten Werkzeugen und selbst gehauenem Stein, auf dem Gipfel des St. Rhÿs die berühmte Bergkapelle, die seitdem zu Ingerimms Wunderwerken zählt und Pilger aus der ganzen Umgebung anlockt.
Die Magierkriege
Das Abdanken Rohals traf Dohlenfelde genauso unvorbereitet wie den Rest des Reiches. Die Magierkriege brachten den Erzhandel zum Erliegen und in der Schlacht von Elenvina, der für die südlichen Nordmarken entscheidenden Schlacht des 5 Jahre währenden Krieges im Jahre 400 v.H., fanden die regierende Baronin Dohlenfeldes und auch der isenhagsche Graf den Tod. Der Erbe der Baronin war noch nicht mündig, und konnte deshalb nicht verhindern, daß der Wichtenfelser Vogt sich für von Dohlenfelde unabhängig erklärte. In Wolkenfold herrschten Räuberbanden, die sich um eine ergiebige Erzmine stritten, und die Zwerge hatten sich in ihre unterirdischen Hallen zurückgezogen. In den anderen Baronien des Eisenwaldes gaben sich die Landherren beinahe wie autonome Herrscher.
Das Land drohte im Chaos zu versinken, und die Dohlenfelder flehten zu den Göttern, ihnen doch wieder den „kleinen Basaltschädel“ zu schicken, um sie vor dem Schlimmsten zu bewahren. Aber sie wurden nicht erhört.
Wolkenfold und Wichtenfels
390 v.H. begann der gerade erst inthronisierte Eslam, die Lehen neu zu ordnen. Der verschlagene Wichtenfelser Vogt Galmin ließ sich vom Kaiser als „Baron von Wichtenfels und Erzweiler“ bestätigen, alle Proteste des jungen Barons Alrik von Dohlenfelde blieben ungehört. Der Konflikt in Wolkenfold war mittlerweile zu einem wahrhaftigen Krieg eskaliert: Mehrere Adlige des gesamten Umlandes versuchten, die Erzmine unter ihre Kontrolle zu bringen. Aus der 370 v.H. ausgetragenen „Schlacht am Liepenstein“ gingen keine Sieger hervor, aber die Edlen von Leuenschild, die Wolkenfold regierten, wurden ausgelöscht. Der neue Graf von Isenhag drohte mit der Acht aller beteiligten Barone, woraufhin die Kämpfe eingestellt wurden. Im „Richtspruch vom Weidengrund“ wurde Wolkenfold „auf alle Zeit“ den „Herren von Burg Dohlenhorst“ zugesprochen. Der Graf wies den Baron auch an, das Rittergut der wolkenfoldschen Edlen in ein Hesindekloster umzuwandeln.
Die gestärkten Elbing-Fairnburgs bedrängten nun ihren ehemaligen Wichtenfelser Vogt, nach Dohlenfelde zurückzukehren. Diese weigerten sich jedoch strikt, worauf die Dohlenfelder zu den Waffen riefen. In der „Schlacht vom Leen“ 343 v.H. fiel die Tochter des abtrünnigen Baron von Wichtenfels, die das Erbe ihres Vaters angenommen hatte, unter dem Schwert des Barons Helmbrecht von Elbingen-Fairnburg. Wichtenfels wurde besetzt, die Gefolgsleute der Wichtenfelser gehenkt oder in die Verbannung geschickt.
Bei der Erstürmung Wichtenfelses besonders hervorgetan hatte sich der Söldnerhauptmann Odilbert, der von Helmbrecht zum Knappen und ein Jahr später zum „Ritter von Eisentann“ geschlagen wurde. Mit dem Ritterschlag wurde der treue Gefolgsmann Helmbrechts zum Herrn Wichtenfelses. Auch in den folgenden Jahren blieben die von Eisentanns treue Anhänger des Barons, so daß dieser die Familie im Jahre 301 v.H. ehrte, indem er den Enkel Odilberts zum „Edlen von Wichtenfels“ erhob. Der Baron sollte seinen Beschluß aber schon bald bereuen, denn die von Eisentanns wurden nun expansiv und weiteten ihre Macht auch über die Länderei Caleen aus. Der Graf urteilte, daß der Baron das Edlengut „Wichtenfels und Caleen“ zu akzeptieren habe, die Edlen sich aber verpflichten müßten, es auf immer bei der jüngsten Gebietsaneignung zu belassen. Beide Seiten akzeptierten den Richtspruch des Grafen von Isenhag.
Nach diesen dramatischen Ereignissen beruhigte sich das Leben in Dohlenfelde wieder und die Bevölkerung wuchs weiter an. Die Almadaner Dynastie in Gareth ließ Dohlenfelde Zeit, sich vom erlittenen Übel zu erholen. Im Jahre 231 v.H. besuchte der Diener des Lebens die Dohlenfelde und stiftete einen Gutshof. Die damalige Baronin, Walima von Elbing-Fairnburg, war eine tief perainegläubige Frau und überglücklich über die Ehre, die ihrem Lande zuteil wurde. In ihrer Freude belehnte sie Cormac von Rhán, einen guten Freund und Ritter aus ihrem Gefolge, mit Weidenfold und machte ihm zur Auflage, das Land zu Ehren Peraines zu kultivieren.
Irgendwann um 200 v.H. zogen Siedler aus Dohlenfelde und Rabenstein in das Tal der Stiege, um dort nach Erz zu suchen. Schon bald wunderte sich keiner dieser Abenteurer mehr, warum sich noch keine Zwerge in diesem Tal angesiedelt hatten: Es gab zur großen Enttäuschung der Prospektoren keinerlei Spuren auch nur einer Erzader. Aber die Siedler hatten ihre Häuser bereits gebaut und konnten nicht mehr heimkehren. So blieben sie in dem kargen Gebirgstal. Ihren Zehnt zahlten die Zwackelfegener abwechselnd nach Dohlenfelde, Rabenstein oder an die almadische Grafschaft Südpforte.
192 v.H. brannte das ohnehin nie sehr bedeutende Hesindekloster Wolkenfolds aus und wurde nicht mehr aufgebaut. Das Edlengut Wolkenfold schien auch in den folgenden Jahren mehr Pech als Glück zu haben, denn mehrere Katastrophen verhinderten eine ausgedehntere Besiedlung des Landes. Sogar die Mine verlor ihre Ergiebigkeit.
Die kosch’sche Dynastie
Im Jahre 195 v.H. verstirbt Baronin Rondriane von Elbing-Fairnburg zu Dohlenfelde ohne direkten Erben. Die beinahe dreihundertjährige glückliche Herrschaft der albernischen Dynastie über Dohlenfelde endete unverhofft.
Der Graf Isenhags setzte provisorisch einen Vogt in Dohlenfelde ein. Im Jahre 192 v.H. ernannte er dann auf Vorschlag der Herzogin der Nordmarken Trondiar von Wengenholm, den dritten Sohn des Grafen von Wengenholm, zum Baron. Unter der Herrschaft Trondiars und seiner Erben entwickelte sich Dohlenfelde prächtig, was, wie Spötter behaupteten, vor allem auf die Tatsache zurückzuführen war, daß die neuen Regenten Dohlenfeldes die meiste Zeit in Ferdok oder Gareth weilten und die Verwaltung des Landes ihren zwergischen Burgvögten überließen. Die Tatsache, daß eine Baronin sich nur für drei Tage -bei ihrer Krönung- im Lande blicken ließ und ein anderer Baron offensichtlich schwachsinnig war, verstärkte diesen Eindruck nur.
Wie auch immer, die Abwesentheit der Barone bekam dem Land gut. Der Vogt der „ersten Generation Koschbarone“, wie er sich auszudrücken pflegte, war der schon bei Amtsantritt beinahe drei Jahrhunderte alte Falgrosch, Sohn des Farmosch. Das herzögliche Twergenhausen und Dohlenfelde gediehen unter seiner Hand prächtig. Eine Volkszählung Kaiser Eslams V. im Jahre 146 v.H. ergab 4810 Einwohner, davon 432 Angroschim. Der Handel auf dem Großen Fluß florierte, in Erzweiler wurde eine Mine nach der anderen erschlossen. In Zwackelfegen wurde 139 v.H. mit almadischen Dukaten eine Burg errichtet und der Graf von Südpforte ernannte einen Gefolgsmann zum Edlen von Zwackelfegen. Die damals belehnte Familie derer zu Naris besitzt auch heute noch das Edlengut. Eine almadische Initiative führte außerdem zur Instandsetzung der uralten Via Ferra und damit zur Zunahme des almadisch-isenhagschen Handels. Vor allem Rabenstein und Erzweiler profitierten hiervon.
Im Jahre 125 v.H. wurde die „Bergköniglich Eisenwaldsche und Freiherrlich Dohlenfeldsche Minen-Compagnie“ gegründet, die seither das Bergbaumonopol in Dohlenfelde besitzt. Die ebenfalls gegründete „Herzöglich Twergenhäuser Flußschiff-Gesellschaft“ wurde nach heftigen Protesten aus Albenhus und Elenvina wieder aufgelöst.
Die Nachfolge Burgvogt Falgroschs trat im Jahre 98 v.H. der mit rund 200 Jahren noch relativ junge Muragosch, Sohn des Murgrim an.
Die größte Stunde der florierenden und im Jahre 95 v.H. 1004 Einwohner zählende Stadt kam im Jahre 93 v.H.: Kaiser Valpo, angeblich ein Liebhaber des Dohlenfelder Dunkelbräus, erhob das Städtchen trotz heftiger Proteste des nordmärkischen Herzogs in den Reichsstand. Für den Baron Dohlenfeldes bedeutete das eigentlich nur einen Gewinn, denn die Steuern Twergenhausens waren ja auch zuvor nicht in seine, sondern die herzögliche Schatulle geflossen. Von nun wurden Elenvina, Albenhus und Twergenhausen in einem Atemzug genannt.
Die Erbfolgekriege
Aber das Glück der jungen Reichsstadt sollte nicht lange währen, denn das Kaiserreich versank während der Erbfolgekriege im Chaos. Daß es keinen Kaiser mehr gab, spürte Twergenhausen schon im Jahre 74 v.H.: Fünf Flußschiffe aus Albenhus kippten große Felsbrocken in den Hafen des unliebsamen Konkurrenzstädtchens, so daß keine größeren Schiffe mehr einlaufen konnten. Die „Compagnie“ konnte ihr Erz nicht mehr verkaufen und viele kleinere Händler mußten ihre Geschäfte schließen. Aber noch war die Versorgung der Stadt aus dem Hinterland gesichert. Die Wirren dieser Zeit nutzte Gratenfels, um sich auf dem linken Ufer des Großen Flusses festzusetzen: Es eroberte die dohlenfeldsche Nachbarbaronie Nilsitz und gleich dabei auch noch das dohlenfeldsche Wilsitz sowie das Edlengut Wichtenfels. Erzweiler wurde Rabenstein angeschlossen, die Gratenfelser zwangen den Baron von Rabenstein aber dazu, ihnen freien Zugang zur Via Ferra zuzusichern. Damit war der Einfluß des Dohlenfeldschen Barons erstmals vollständig auf das rechte Darlinufer beschränkt. Sogar der Zutritt zu Burg Dohlenhorst wurde den Baronen von Dohlenfelde untersagt. Die von Wengenholms erkannten die Besetzung der Gebiete jedoch nie an, konnten und wollten aber dagegen nichts unternehmen, da sie berechtigerweise befürchteten, daß auch die Grafschaft ihrer Familie durch die Machtgelüste der Gratenfelser bedroht war. Zu dieser Zeit wurde viel vom Verrat der Wengenholmer an Isenhag geredet, und die Gerüchte sind bis heute nicht gänzlich verstummt. Es schien, als hätte Wengenholm Isenhag geopfert, um sich selbst zu retten. Wie auch immer, die Wengenholmer ließen Burg Schwarzfels wieder herrichten, um wenigstens einen standesgemäßen Wohnsitz zu haben (sofern sie überhaupt in Dohlenfelde weilten). Der Graf von Isenhag und die Bergkönige von Eisenwald und Xorlosch versuchten vergeblich, auf dem Verhandlungsweg Herr der Lage zu werden.
Aber es sollte noch viel schlimmer kommen: 64 v.H. plünderte das Söldnerheer „Kaiserin“ Rhondaras von Albenhus die junge Reichsstadt Twergenhausen bis auf den letzten Kreuzer. Für zwei Monde errichteten die Liebfelder gar ihr Hauptquartier in dem geschändeten Städtchen. Auch das Hinterland, das bisher ziemlich ungeschoren davon kam, sollte es nun treffen: Truppen Haruns I. waren 63 v.H. über den Breschenpaß in die Nordmarken vorgedrungen und wurden erst in der blutigen „Schlacht auf den Rabenhöhen“ bei Maringen von den Pikenieren Rhondaras vernichtend geschlagen. Der Edle von Zwackelfegen schwor „Kaiser“ Harun I. die Treue. Das Schlachtenglück sollte den Vinsaltern aber nicht treu bleiben, denn sie wurden im selben Jahr in der Schlacht von Albenhus von Pervals Truppen besiegt. Die Nachhut der Liebfelder setzte sich jedoch noch für beinahe 3 Monde in Twergenhausen fest, bevor sie das von Pervals Geschützen total zerstörte Städtchen aufgeben mußten. Die Überlebenden Söldner zogen sich in den Wilsitzer Forst zurück und trieben dort noch jahrelang unter Führung des „Roten Vogts“ ihr Unwesen. Der Baron Dohlenfeldes, Olbert von Wengenholm. befand sich derweil „auf der Jagd“ in Rommilys. Dort erlag er den Zorganpocken.
Der böse Kaiser Perval ließ dem „Vinsalter Rebellennest“, wie er Twergenhausen einmal nannte, keine Gelder aus der Reichskasse zum Wiederaufbau zukommen. Ganz Dohlenfelde erlebte während der Regierungszeit Kaiser Pervals „des Ritterlichen“ die schlimmste Zeit seiner Geschichte: In Twergenhausen verhungerten Kinder und Alte, die Almadis besetzten wieder den Breschenpaß, um Flüchtlinge aus dem gebeutelten Land davon abzuhalten, in das sich gerade vom Krieg erholende Fürstentum zu ziehen und die Zwerge mußten eine aufgebrachte Menge gewaltsam daran hindern, die unterirdischen Vorratskammern der Angroschim in Erzweiler und Moxarosch zu stürmen. Im Jahre 45 v.H., direkt nach dem Tode des Despoten, geschah etwas einmaliges: Eine Bittschrift des damaligen Herzogs der Nordmarken wurde beachtet und der Reichsstand der Stadt wurde durch den gerade inthronisierten (und wohl betrunkenen) Kaiser Bardo per Dekret aufgehoben. Twergenhausen wurde wieder zur provinzherrlichen Stadt. Der Wiederaufbau der Stadt wurde mit vielen Dukaten aus der Schatulle der Nordmarken und dem Vermögen des Bergkönigs vom Eisenwald finanziert. Nachdem der Hunger der Bürger gestillt war, wurde zuerst der Hafen wieder schiffbar gemacht.
Aber auch nachdem alle in die Wälder geflohenen Bürger wieder zurückgekehrt waren, stieg die Bevölkerungszahl der Stadt gerade einmal auf 600. Die Restlichen waren entweder tot oder ausgewandert. In den Erbfolgekriegen hatte Dohlenfelde beinahe tausend Einwohner verloren.
Die Nachfolgerin Olberts, dessen Tochter Praioslieb, residierte nur 3 Jahre auf Dohlenfelde und kehrte danach an den Garether Hof zurück. Dort starb sie 52 v.H. beim Lanzengang des „Großen Turniers“. Ihr Nachfolger war ihr Sohn Cordovan, der sich das erste Mal 5 Jahre nach seiner Krönung in Dohlenfelde blicken ließ. Er machte Karriere in der kaiserlichen Flotte und wurde Admiral. Baron Cordovan von Wengenholm trug seinem Vogt Muragosch auf, sich „gut ums Land zu kümmern“ und verabschiedete sich im Jahre 27 v.H. auf nimmerwiedersehn aus Dohlenfelde und war von nun an irgendwo zwischen Thorwal und Brabak zu finden.
Die Dynastie Sturmfels
Mit der Usurpation Retos 18 v.H. sollte sich einiges für Dohlenfelde ändern. Der Kaiser erklärte am 10. Peraine Baron Cordovan von Wengenholm (wie so viele andere im Reich) wegen „Untreue und Verantwortungslosigkeit vor Göttern, Reich und Volk“ für abgesetzt. Von seiner Entlehnung erfuhr Admiral Cordovan, der gerade vor den Zyklopeninseln kreuzte, erst über ein Jahr später. Es ist nur bekannt, daß er keinen Widerspruch gegen des Kaisers Rechtspruch eingelegt hat.
Zum neuen Baron von Dohlenfelde ernannte Reto seinen verdienten Kavallerieobristen Sigismund Ernbrecht von Sturmfels. Zuvor war Sigismund Ernbrecht vom Kaiser bereits zum 7. hochadligen Reichskammerrichter ernannt worden. Der Offizier, der zuvor das Kommando über das IV. Kaiserliche Elite-Gardereiterregiment „Raul von Gareth“ innehatte, zog sich aus dem aktiven Kriegsdienst zurück und nahm seine neuen Ämter gewissenhaft an. Mit Wehrheimer Gründlichkeit ließ er sofort eine Steuerschätzung und Kopfzählung durchführen. Danach befahl er, Burg Dohlenhorst wieder herzurichten. Am 1. Praios 17 v.H. zog die Familie Sturmfels feierlich in Dohlenfelde ein und entließ, abgesehen von Burgvogt Muragosch, alle Beamten. Die Dohlenfelder, seit 150 Jahren keinen „anständigen“ Baron (vom Kaiser ganz abgesehen) mehr gewohnt, murrten zuerst unter der strengen Hand, aber schon bald trugen die Bemühungen Sigismunds erste Früchte: Erzweiler wurde, trotz heftigen Widerspruchs der Gratensfelser in Nilsitz, wieder der dohlenfeldschen Hoheit unterstellt.
Die Reichsgrundreform Retos im Jahre 11 v.H. legte zum ersten Mal in der Geschichte der Nordmarken die Grenzen der Ländereien der verschiedenen Adligen eindeutig und verbindlich fest. Für Isenhag bedeutete dies, daß in erster Linie der Zustand „22 Valpo“(91 v.H.) wiederhergestellt wurde. Gratenfels’ Machtbereich wurde auf die rechte Seite des Großen Flusses beschränkt. Nilsitz wurde zum gräflich-isenhagschen Lehen erhoben. Als kleines „Dankeschön“ an seinen treuen Offizier teilte er bei der Neuzeichnung der Grenze zwischen den Nordmarken und Almada das Edlengut Zwackelfegen den Nordmarken und insbesondere Dohlenfelde zu. Dohlenfelde war damit größer als je zuvor und die flächenmäßig die größte Baronie Isenhags.
Die Länder am Darlin gediehen wieder, und der Burgvogt erinnerte sich gar der „guten alten Zeit vor dem Krieg“, wie er die Jahre vor dem Tode Kaiser Valpo des Trinkers nannte. Sigismund übernahm nur noch einmal für seinen geliebten Kaiser das Kommando über die Kaiserlichen Reiter vom IV. Regiment und folgte seinem Herrn im Jahre 6 v.H. nach Maraskan, wo er in der Schlacht von Hemandu eine schwere Verletzung erlitt. Er schwor noch auf dem Schlachtfeld, nie mehr sein ererbtes Schwert „Hlûtahrhilf“ im Kampfe zu führen.
Nachdem er mit den höchsten Verdienstorden des Reiches ausgezeichnet worden war, kehrte Sigismund nach Dohlenfelde zurück und legte sein Kommando, trotz der persönlichen Bitte Marschall Voltans, es zu behalten, endgültig nieder. In Dohlenfelde zeigte der Krieger, daß er auch ein geschickter Staatsmann war, und baute ein herzliches Verhältnis zu seinen drei Edlen und den Nachbarbaronien auf. Auch mit dem Bergkönig und dem Herzog der Nordmarken verband ihn Freundschaft. Einzig dem Grafen Isenhags mißfiel der Eifer und Erfolg des neuen Barons. Doch Sigismund verbrachte natürlich auch viel Zeit in Gareth, um sein Reichsrichteramt ausüben zu können.
Im Laufe der Jahre zeigte sich, wie tief die Wunden von Hemandu wirklich waren: Das Jahresfieber suchte den Baron in regelmäßigen Abständen heim und schreckliche Alpträume raubten ihm den Schlaf. Als „sein“ Kaiser starb, sah man das erste mal Tränen in den Augen des Barons. Den neuen Kaiser Hal bezeichnete der Baron einmal offen als „Schwächling“, und einzig seine enge Freundschaft zu Reto bewahrte ihn vor schwerwiegenden Konsequenzen.
Im Jahre 10 Hal weilte der Baron gerade in Wehrheim, um für die Aufnahme seiner Enkelin Selinde auf die Kriegerakademie vorzusprechen, als die Nachricht von den 1000 Ogern eintraf. Das Reich brauchte zu dieser Stunde der Not jeden Kämpen, und Sigismund erklärte sich nach kurzem Zögern bereit, noch einmal ein Kommando zu übernehmen. Ihm wurde das I. Hartsteener Landwehrregiment unterstellt.
Seinen 16 Jahre alten Schwur hielt der Obrist, denn als man ihn, von einer Ogerkeule betäubt, nach der Schlacht zwischen dutzenden Toten fand, steckte „Hlûtharhilf“ noch in der Schwertscheide. Noch vor der Heldenehrung reiste der Obrist, der die Hälfte seines Regimentes verloren hatte, zurück nach Dohlenfelde. Dort wachte er in den folgenden Jahren immer wieder um Mitternacht schreiend auf; „Die Oger haben die Toten von Hemandu gerächt!“ rief er lauthals aus. In den folgenden Jahren alterte der Baron zusehends unter Fieber und ständigen Alpträumen und verließ seine Burg nur noch selten. Er übertrug immer mehr Amtsgeschäfte seinem ältesten Sohn Bernhelm, dem schon im Jahre 12 Hal das Reichsrichteramt mit allen Ämtern und Würden übertragen wurde und nach Gareth umzog.
Karte Dohlenfelde
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