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Baronie Gernebruch
Das Gernebrucher Land
Die Baronie des wackeren Barons Ontho vom Gernebruch zum Gernebruch liegt an der rahjawärtigen Grenze der Nordmarken zum Kosch . Schroffe, steile Berge, deren Gipfel bisweilen das ganze Jahr nicht aus Firuns grimmig kalter Umarmung reichen, prägen einen Großteil des Landes. Manche Besucher des Lehens spötteln, im Gernebrucher Land gäbe es keine fünf Rechtschritt ebenen Bodens. Doch mag dies übertrieben sein, geht doch das Land gen Efferd zu in sanft geschwungene Hügeln über, deren fruchtbare Böden zahlreiche Perainefrüchte wie Gerste, Weizen, Hanf, aber auch Äpfel, Birnen und sogar Kürbisse hervorbringen. Bereist man das Land von Ifirn her, so reitet man auf einer gut gepflegten Straße und erreicht alsbald die Stadt Endriva über eine stabile Steinbrücke, die schon so mancher Winterflut trotzte und ein gutes Beispiel für die Weitsicht des Gernebrucher Herrn ist. Kommt die Steinbrücke über die Jahre gerechnet doch billiger als eine immer wieder aufzubauende Holzbrücke. Endriva ist die heimliche Kapitale des Lehens . Herrscht doch auf der Straße reger Verkehr und der Handel mit Nahrung, aus Hanf und Wolle gewonnenen Tuchen und Seilen, Holz, Waffen und seit kurzer Zeit mit edlen Glaswaren blüht. Folgt der Reisende der Straße weiter gen Praios, so erreicht er alsbald eine Abzweigung, die ihn auf einer zwar ebenfalls gepflegten, aber schmaleren und in den Wintermonaten manchesmal unwegsamen Straße über Gira, ein kleines Bergdorf, nach Gernebruch, dem Hauptort, bringt. An dem eher unscheinbaren Örtchen, das immer mehr in den Schatten der großen Schwester Endriva tritt, fallen dem geneigten Reisenden zwei Dinge auf: Zum einen ist hier der Schmied Thiessen Zornbold ansässig, der aus den hervorragenden Erzen der Zwergensippe, welche die unterderischen Regionen des Landes bewohnt, nicht nur einen hochvergüteten Stahl gewinnt, sondern, von lngerimm besonders bedacht, auch mit kundiger Hand erstklassige Waffen schmiedet. Eine andere Spezialität, die allerdings kaum bekannt ist, stellt Jamson Edradour her. Aus Gerste destilliert er einen starken Brandt, der, bevor er des Genießers Kehle hinabrinnen darf, zwölf den Göttern geweihte Jahre in Eichenfässern in kühlen Kellern versteckt wird. Durch diese Besonderheit gewinnt das Destillat nicht nur seine güldene Farbe, sondern auch einen erlesenen Geschmack. Der Baron ist übrigens festens davon üherzeugt, daß Praios selbst seine segnenden Hände über das Destillat hält und es während der zwölf Jahre Reifezeit in flüssiges Sonnenlicht verwandelt. Folgt man der Straße weiter, so geht es stetig bergan, bis man den trutzigen und düsteren Stammsitz derer zum Gernebruch erreicht. Ganz fürtrefflich auf einer Bergkuppe gelegen, blickt er von hier aus über das ganze efferdwärts gelegene Land. Bei schönem Weiter mag der Blick gar bis Endriva reichen. Müht man sich über einen schmalen Treidelpfad an einigen Hirtenstellen und Holzfällerhütten vorbei, dann wird man mit atemberaubenden Anblicken belohnt. Stille Täler, in denen tiefe Bergseen ruhn' und so manches düstere Geheinrnis verbergen, wechseln mit windumtosten Anhöhen, auf denen Efferds und Firuns Grimm durch die dickste Kleidung dringt. Stets ist man dort umgeben von den riesigen grauen Giganten‚ welche drohend auf jene herabsehen, die es wagen ihre Ruhe zu stören. Viele sind dies freilich nicht. Lediglich einige wackere Händler wagen sich hierauf, um mit den Zwergen, den strebsamen Herren dieser Einöde, Handel zu treiben. Nahrung und andere Dinge, die ihr steinernes Reich nicht hergibt, bringen sie ihnen und nehmen dafür ein wenig von dem zu Tage geförderten Erz mit, welches jedoch selten mehr als den Bedarf von Thiessen Zornbold deckt. Denn sehr zum Ergrimm des Barons handeln die Zwerge lieber mit ihren koscher Nachbarn im Koschgau. Dem vermag der Baron jedoch keinen Einhalt zu gebieten, bindet ihn doch ein alter Vertrag, der das Zwergenvolk zwar zur Lehnsabgabe verpflichtet, ihnen aber ansonsten Freiheit und Selbständigkeit zusichert. Versäumt es der Reisende, nach Endriva abzubiegen, so führt ihn der Weg durch die Ebenen des Landes. Zu seiner Linken erstrecken sich weite Wiesen und Weiden, auf denen das Vieh mit seinem Blöken und Muhen dem Passierenden ein Begleitkonzert spielt. Zu seiner Rechten weitet sich eine Moorlandschaft aus, durch die sich die zahlreichen Pfade der Torfstecher ziehen. Doch sollte ein Ahnungsloser tunlichst davon ablassen, diese zu beschreiten. Zu groß ist die Gefahr, einen falschen Schritt zu tun und auf grausige Weise im Morast zu versinken. An der Grenze zu Kaldenberg überquert man wieder eine Steinbrücke, deren Kosten zu gleichen Teilen von den Häusern Kaldenberg und Gernebruch getragen werden. Im Flußdelta liegen, von den Fluten umtost, einige kleine Inseln. Auf der größten von ihnen sieht der Beobachter einige halbzerfallene Bauten, von denen lange Zeit niemand ahnte, daß es sich hierbei um ein altes Heiligtum des Efferd handelt. Ein ruhiger Wanderer wird vielleicht sogar einen Blick auf die so seltenen wie wundersamen Necker erhaschen können, die sich auf den Felsen ausruhn' oder in den Wassern ihre neckischen Spiele spielen.
Jan Koch (Reisender des Mittelreichs)
Das Geschlecht von Lilienthal
I. Geschichte:
Die Familie kann noch nicht auf eine allzu alte Geschichte zurückblicken, jedenfalls sind über die Zeit der erstmaligen Belehnung im Jahre 20 vor Hal hinaus keine Aufzeichnungen mehr vorhanden. Allerdings weiß man, daß die Ahnen der heutigen Familienmitglieder mindestens zwei Jahrhunderte landlose Ritter in Albenhus waren, aber deren Namen sind längst vergessen.
In den Jahren 21 und 20 vor Hal machten eine große Räuberbande den südlichen Teil Gernebruchs unsicher, wobei auch gelegentlich Überfälle in den nahen Nachbarbaronien vorkamen. In dem unzugänglichen, gebirgigen Gebiet gelang es dem Anführer der Räuberbande immer wieder den Truppen des Barons zu entwischen und sozusagen an der Nase herumzuführen. In seiner Not sammelte der Baron schließlich auch einige landlose Ritter aus Albenhus. Der jungen Ritterin Dalida aus Albenhus gelang es dann endlich mitten im Winter des Jahres 20 v.H. das geheime Lager der Banditen in einer Höhle aufzuspüren. In dem darauf folgenden Kampf konnten fast alle Räuber gefangen werden, nur ein oder zwei konnten entkommen, diese haben die Baronie dann aber offensichtlich in wilder Flucht verlassen. Nachdem die 13 gefangenen und noch lebenden Verbrecher im Frühling des Jahres 20 v. Hal unter Praios wohlwollenden Augen abgeurteilt und aufgeknüpft worden waren, gab der Baron von Gernebruch der jungen Ritterin für ihre Verdienste eben jenen südlichen Zipfel, in dem die Räuber gewütet hatten, zum Lehen. Darüberhinaus unterstützte der Baron seine neue Ritterin auch bei der Errichtung eines Gutsitzes. Die erste Herausforderung für die Ritterin war insofern das zerstörte Vertrauen in die praiosgefällige Ordnung in ihrem Gut wiederherzustellen, was ihr allerdings gelang. Einige Jahre später heiratet sie in einen völlig verarmten und entfernten Nebenzweig der Rabenmunds ein. Die Ehe mit Waldemar verlief sehr glücklich, im Jahre 6 v. Hal kam der erste Sohn zur Welt, der nach der vereinbarten Absprache den Namen von Lilienthal tragen sollte. Es sollte das einzige Kind bleiben, daß aus dieser Verbindung hervorging, denn nur ein Jahr nach der Geburt stürzte der Vater des Kindes bei einem Reitunfall so unglücklich, daß er wenig später verstarb. Seine Frau konnte den Tod des geliebten Gatten nur sehr schwer verkraften und begann diesen in ihrer Vorstellung immer mehr zu erhöhen, zu verklären und so langsam aber sicher jeden Realitätssinn zu verlieren. Der junge Ardo von Lilienthal hatte es daher nicht leicht, auf der einen Seite eine Mutter die sich immer stärker in den Wahnsinn flüchtete, auf der anderen Seite war er zeitlebens ein Mensch, der eine überaus schwache Gesundheit hatte, die ihn an allen möglichen Krankheiten und Gebrechen leiden lies. Allerdings lernte er zu seinem großen Glück auf einem unvermeidlichen höfischen Anlaß seine zukünftige Ehefrau aus einem almadanischen Junkergeschlecht kennen. Aus dieser Verbindung sollten zwei Söhne (14n.Hal/20n.Hal) und eine Tochter (24 n.Hal) hervorgehen.
Zu einem Zeitpunkt im Jahre 18.n.Hal an dem die Macht Answin von Rabenmunds schon deutlich erkennbar im (Ver-)Schwinden begriffen war, meinte die mittlerweile 61-jährige Dalida in völliger Verkennung jeder Realität, es sei jetzt an der Zeit zu den Waffen zu greifen und die Ehre des eigenen Mannes und seiner Verwandtschaft auf dem Schlachtfelde zu verteidigen. Trotz der verzweifelten Versuche ihres Sohnes sie aufzuhalten, bricht sie auf. Nachdem sie ihr Gut Anfang Boron verlässt, kehrt sie nie wieder lebend dorthin zurück, ihr Verbleib ist bis heute ungeklärt und seitdem von Gerüchten umweht. Gerade in den gebirgigen Gebieten Gernebruchs oder noch weiter im Osten des Kosch wollen schon mehrere Bergbauern und seltene Reisende in dunklen, nebligen Winternächten eine düstere und fürchteinflößende, kopflose Rittersgestalt ausgemacht haben, die einsam durch die Wälder streift. Der Wind soll dann eine flüsternde, sich nach Rache sehnende Stimme an des Reisendens Ohr tragen. Über solchen Schauermärchen kann man als verständiger und vernünftiger Mensch allenfalls milde lächeln, jedenfalls steht außer Frage, daß die Ritterin ihr Leben irgendwo in den Wirren des Aufstandes gegen den Ursupator Answin verloren hat. Der gerade 24-jährige Ardo, hatte insofern Glück, daß man den Geisteszustand seiner Mutter als Milderungsgrund auffasste und der Familie das Lehen nicht entzog. Ardo blieb zeitlebens eine eher unauffällige und ruhige Erscheinung, verstand sich aber aufgrund seines fanatischen Praiosglaubens mit dem Baron Ontho von Gernebruch hervorragend und kann so jeden Zweifel an der Loyalität der Familie ausräumen. Der sehr ordnungsliebende und bescheidene Ardo verachtet all diejenigen Adligen, die sich Verschwendung und Prunksucht hingeben, ganz besonders sind im die benachbarten Heiternachts ein Dorn im Auge. Seine ständig schwächelende Gesundheit und die mittlerweile häufigen Anfälle von akuter Lähmung in allen Gliedmaßen zwangen ihn aber sein Gut an seinen ältesten Sohn Lindos zu übergeben.
II. Wappen:
Das Wappen der Familie von Lilienthal ist die goldene Doppellilie auf grünem Grund.
Das Wappen erinnert daran, daß eines der beiden Täler, die zum Gut zählen, im Frühjahr der Belehnung in eine herrliche Blumenpracht getaucht war, darunter auch eine wunderschöne goldglänzende Lilie. Da dies nur ein Zeichen der Götter sein konnte gab die Ritterin dem bislang namenlosen Tal den Namen Lilienthal und machte daraus auch gleich den Namen der Familie.
III. Stammbaum:
IV. Ritter Lindos Tsasind von Lilienthal:
Der Ritter ist eine kräftige, groß gebaute und alles in allem eine beeindruckende Gestalt. Seine langen schwarzen Haare und sein wild gewachsener dunkler Bart verdecken sein Gesicht und seine großen blauen Augen etwas. Das wichtigste ist aber, daß sein von Geburt an häßlich verkrüppeltes linkes Ohr völlig unter der Haarpracht verschwindet.
Lindos neigte normalerweise zu einer Art fröhlicher Unbekümmertheit, nur gelegentlich kommt es zu einem der gefürchteten Tobsuchtsanfälle. Viele sehen darin das Erbe seiner Großmutter, das sich gelegentlich Bahn bricht. Diese Unbekümmertheit läßt in bisweilen auch immer noch etwas zu unvorsichtig vorgehen, gerade wenn er die Aufsicht auf persönlichen Ruhm oder eine Möglichkeit zu persönlicher Bereicherung sieht. Er ist praiosgläubig, aber dabei immer sehr auf seinen eigenen Vorteil bedacht.
Im heimatlichen Gut besteht seine Lieblingsbeschäftigung die Grenzen seines Gutes nach reisenden „Abenteurern“ und anderen Pack abzusuchen und dem Gesindel klarzumachen, daß es im ordentlichen Gernebruch nichts zu suchen habe.
An der Crumoldschlacht konnte der junge Ritter zu seinem Bedauern nicht teilnehmen. Sein Lehnsherr hat ihm aber gestattet sich bei den folgenden Besetzungen auf eigene Faust zu beteiligen.
V. Gut Lilienthal:
Das Gut ist vor allem von den hohen Bergen geprägt, befindet man sich hier bereits in den ersten richtigen Bergen des Kosch und so kann man rechts und links des Haupttales die Bergriesen bestaunen. Das Haupttal erstreckt sich in Nord-Südrichtung, betritt man das Haupttal von Süden, also aus der Baronie Kaldenberg und dem verhassten Klamburg kommend, so fällt einem auf der rechten Seite zunächst der hohe Kanten (1) auf, der die Form einer dreikantigen Pyramide aufweist. In diesem Berg befand sich auch die Höhle der berüchtigten Gernebrucher Räuber, deren genauer Standort allerdings nur einigen Bergbauern bekannt sein dürfte. Auf der rechten Seite kann der Reisende die 3 Zwerge sehen, zumindest heißen die drei eher niedrigen Bergkuppen so. Auf den kargen Hängen wächst wenig und so leben in dem Gebiet des Gutes nur einige Bergbauern mit ihren Familien. Einzig die Böden um Mardusa, dem einzigen Dorf des Gutes, sind aufgrund ihrer windgeschützten Lage in einem Seitental wenigstens halbwegs fruchtbar. Aufgrund des kurzen Sommers bleibt es aber für die ungefähr 100 Einwohner des Dorfes stets ein harter Kampf ums Überleben. Eine kleine Dorfschänke und eine heruntergekommene Schmiede und ein einfacher Stall stechen aus der Hüttenansammlung etwas hervor. Nördlich und östlich schmiegt sich der imposante Glatzkogel (5) an, folgt man dem Seitental und steigt auf einem schmalen verschlungenen serpentinenartigen Pfad den Berg etwa eine halbe Stunde hinauf, so kommt man zum eigentlichen Edlensitz derer von Lilienthal, der weit oben auf dem Berg liegt. Eigentlich besteht dieser nur aus einem dunklen viereckigen steinernen, ca.6 Schritt hohen Wehrturm, daneben drückt sich unter den Schutz eines Felsvorsprungs kaum wahrnehmbar ein niedriges kleines Fachwerkgebäude. Steigt man zu den Zinnen des Turms hinauf, so hat man von dort oben einen guten Blick über das Haupttals und kann auch Teile des hinter dem Glatzkogel liegenden Tals erkenne, das an einigen Stellen sumpfige und morastige Lilienthal. Blickt man vom Turm über das Haupttal hinweg kann man auf der anderen Seite den Pletzkogel(2) und den Einsamen Wanderer (3) deutlich erkennen. Mit geübten Auge mag man auch den Wildbach (6) ausmachen, der sozusagen die Grenze des unmittelbaren Einflussbereichs der Ritter von Lilienthal aufzeigt. Dieser entspringt irgendwo dem Einsamen Wanderer, quert das Haupttal und speist dann die sumpfigen und morastigen Gebiete des Lilienthals. Alles in allem mögen in diesem kargen Gebiet wohl etwa 150 Seelen, darunter auch ein paar Zwerge leben.
Lilienthal
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