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Recht und Gesetz

In den Nordmarken ist das Gesetz das höchste Gut. In diesem Land, auf das Praios wohlgefällig herabsieht, herrschen Recht und Ordnung. Praios wacht über den Herzog, dieser wacht über seine Lehensmänner und diese wachen über die Hörigen. So geschieht in den Nordmarken nichts, ohne nicht ein Gesetz vorweisen zu können, so alt und absurd dies auch sein mag. Seinen Ursprung mag der hohe und manchmal ins Groteske abgleitende Stellenwert der Gesetze in der vor neun Jahrhunderten verkündeten Lex Zwergia haben, die unter anderem die Schaffung Isenhags zu Folge hatte, als sich die menschlichen Rechtsgelehrten mit der unglaublichen Sturheit und Genauigkeit der zwergischen Verhandlungspartner herumschlagen mussten. Und eben die zwergische Sitte, auch schon jahrhundertealte, ihren Grund längst verloren habende Gesetze immer noch hoch zu beachten, ist heute noch bei vielen nordmärkischen Rechtskundigen zu finden. Seit altersher hat sich z.B. auch der Brauch des Gerichtsbaums gehalten: Vielerorts fällt der Dorfrichter oder der Adelige seine Richtsprüche unter der Dorfeiche, -linde oder welcher Baum auch auf dem Marktplatz stehen mag, jedenfalls unter freiem Himmel, unter Praios Angesicht.

Im Gegensatz zu den Zwergen weiß man aber sehr wohl zwischen alten nützlichen und alten überflüssigen Gesetzen zu differenzieren, und wird seinem erstaunten Verhandlungspartner selbstverständlich immer nur erstere zitieren. Der Vorwurf, dass nordmärkische Juristen neue Gesetze erfänden, wenn sie sie bräuchten, ist übrigens gegenstandslos: Uralte frühbosparanische Gesetze neu aus dem Altgüldenländischen ins Juristenbosparano zu übersetzen oder einfach neu zu interpretieren, mag den Sinn verändern oder gar ins Gegenteil verkehren, aber erfunden ist damit das Gesetz noch lange nicht, Praios bewahre! Denn wer weiß noch, was damals der Sinn dieser Verordnungen war? Als Folge haben jede Stadt und jede Adelsfamilie im Laufe der Jahrhunderte Unmengen eigener Gesetze entworfen – und sei es nur eine besonders ausgefallene Marktordnung. Bei Verstößen nichtsahnender Reisender gegen diese Gesetze lassen sich die Säckel dank verschiedentlicher Geldstrafen so besonders gut füllen.

Innerhalb der Nordmarken ist Rechtskundigkeit eine notwendige Fähigkeit aller höhergestellten Personen, was wohl mit ein Grund dafür ist, dass es praktisch keine Analphabeten in diesen Kreisen gibt, und der des Lesens unkundige Baron, wie in Weiden oder Greifenfurt, eigentlich undenkbar ist. Der Beruf des Rechtsgelehrten ist darob hoch angesehen. Als wichtige Kaderschmiede für jene ist die der Wehrhalle angegliederte herzögliche Rechtsschule in Elenvina hervorzuheben. In den Nordmarken gilt selbstverständlich Raulsches Recht, wenn auch die relative Unabhängigkeit von Gareth dem Herzogtum in den letzten Jahrhunderten genügend Möglichkeiten gab, viele eigene Gesetze, Verordnungen und Ausnahmeregelungen zu kreieren. Wichtig ist jedoch auch in den Nordmarken, dass nur der Recht hat, der es auch durchzusetzen in der Lage ist. Und seinen Willen in den Nordmarken immer durchsetzen kann nicht einmal der Kaiser von Gareth. „Der Herzog ist immer im Recht und sein Wort ist Gesetz“, ist eine eherne Regel vom Eisenwald bis zum Tommel, und nur im Gratenfels’schen wagt man bisweilen, diesem ungeschriebenen Gesetz mit Erfolg zu trotzen.

Die Konsequenz dieses Denkens mag deutlich werden, wenn man es am Beispiel des von jedem auf überkommenes Erbrecht pochenden Adeligen verdammten Reichsfriedens betrachtet: Im Jahre 21 Hal auf dem Hoftag verhängt, wird es von vielen nordmärkischen Adligen sträflich mißachtet, wenn es um die eigenen Interessen geht. Denn der Herzog hat noch nicht bekundet, dass er den Reichsfrieden als rechtens erachtet. Aber ebenso verweist der Nordmärker nur zu gerne auf den Reichsfrieden, wenn er seinen eigenen Zwecken dient. Denn schließlich hat der Herzog auch noch nicht bekundet, dass er den Reichsfrieden für nicht rechtens erachtet. Blasphemische Doppelmoral, würde man den meisten anderen Provinzen sagen - Nordmärker haben mit solcherlei juristischem Spagat wenig bis keine Probleme. Kurz gesagt: In den Nordmarken hält man sich akribisch an die Buchstaben des Gesetzes. Ihr Sinn aber ist Auslegungssache, denn „Ihr müßt zwischen den Zeilen lesen“, wie der mittelreichische Kanzler und nordmärkische Erbprinz Hartuwal einst sogar die Reichsbehüterin zu belehren wusste - mittlerweile ein geflügeltes Wort in den Nordmarken.

In den Landen des Reichssenneschalls wird das Gesetz durch die Obrigkeit unerbittlich durchgesetzt. Bei Schwerverbrechen wird die Todesstrafe ausnahmslos vollstreckt. Verbrechen, die anderswo durch Verstümmelungen bestraft werden, werden in den Nordmarken durch langjährige Zwangsarbeit abgebüßt, denn sowohl die Basaltbrüche bei Albenhus als auch die herzöglichen Flussgaleeren brauchen immer Arbeitskräfte.

 

Heraldik

Das rondrianische Rot kommt in nordmärkischen Wappen deutlich seltener vor als das praiosgefällige Gold, denn Praios als oberster Schutzgott schlägt sich auch in der Heraldik nieder (Ausnahme: Gratenfels). Auch Silber, Blau und  Schwarz sind im Gebrauch verbreitet, das Grün eher weniger. Beliebt sind einheimische Tiere, Greifen und Sonnenscheiben als heraldische Figuren, in alten Wappen vielfach Burgmotive. Häufige Wappenhalter sind Greifen, Falken, Steinböcke und vielleicht ein Barsch (oder andere Fische), selten hingegen magische Wesen wie z.B. Einhörner und Drachen. Die Wappenschilde sind „klassisch“ mittelreichisch und möglichst schnörkellos (man will sich vom Horasreich absetzen), allerdings verwendet man in den Nordmarken gern Fellfarben (Hermelin und Feh), was im restlichen Reich eher unüblich ist.  Im Isenhag tauchen desöfteren derometrische Symbole auf – ein Hinweis auf die Nähe zu den Zwergen. Wichtig bleibt festzuhalten, dass in den Nordmarken nicht, wie andernorts, die Unsitte eingerissen ist, dass sich auch einfache Bürger ein Familienwappen zeichnen lassen. Heraldische Insignien sind – sieht man einmal von den inzwischen weit verbreiteten Siegeln ab – hierzulande noch immer eines der wohlbewachten Adelsprivilegien.erzöglichen Flussgaleeren brauchen immer Arbeitskräfte.

 

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