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Das Land am Greifenpaß
- Die Grafenmark Gratenfels -
(Nor-III-10-bG)

Im Rahja des Herzogtums Nordmarken liegt die Grafenmark Gratenfels nebst der Stadt gleichen Namens.
Hier ist der Boden fruchtbar, bedeutende Handelsstraßen führen den großen Fluß entlang und im Norden über die Berge, so daß Nordmarken eine der reichsten Provinzen sind. Trotz der guten Wege über die Koschberge und durch die Klamm bei Albenhus macht sich die gewisse Abgeschiedenheit vom Kaiserhof bemerkbar. So konnte etwa der wahnsinnige Graf Baldur Greifax von Gratenfels jahrelang sein Unwesen treiben, eh man in Gareth reagierte.

Die Stadt Gratenfels besitzt noch unter Graf Baldur errichtete, ausgedehnte Stadtbefestigungen, überdimensioniert und verwaist, da Baldurs Söldnerheere im Jahre 7 nach Hal mit der Belehnung Landgraf Alrik Custodias von Gratenfels abzogen. Durch das vom Kaiser verliehene Hlutharssiegel durchbrach dieser die bislang ungebrochene Erbfolge der Greifax' von Gratenfels. Doch auch heute noch machen die Schulden Graf Baldurs "des Wahnsinnigen" der Grafschaft zu schaffen. Der Reisende wird hier alles etwas teurer erstehen und nachts schnell ein Bußgeld bezahlen, wenn die Wache der Meinung ist, "er störe die Nachtruhe der Stadt" ... Gratenfels hat mittlerweile 1350 Einwohner und liegt an der Reichsstraße III, die Havena und Elenvina mit der Metropole Gareth verbindet und östlich von Gratenfels das Koschgebirge durchquert.
Die Stadt liegt am Westhang des Gebirges, dessen schneebedeckte Gipfel von vielen Punkten der Stadt aus zu sehen sind. Der Landesherr beherrscht von hier aus weite Teile des Herzogtums Nordmarken, im Süden bis hin zu den Ufern von Großen Fluß und Galebra, im Osten bis zum Fuß des Koschgebirges, der Norden grenzt an die südlichen Gebiete der Königreiche Andergast und Nostria.

Die Garnison besteht aus einer Kompanie kaiserlich Nordmärkischer Armbruster und einem Banner gräflicher Gratenfelser Ehrengardisten, die zwar in der Stadt stationiert sind, aber dennoch dem Landgrafen selbst unterstehen, während der "Landwehrhaufen" der Grafmark Gratenfels Landvogt Odumir von Ibenburg-Ibenburg untersteht. Dieser wurde im Jahre 27 Hal von seinem Vater, Vogt Xandros v. Ibenburg- Ibenburg selbst zum neuen Landvogt ernannt.
Gratenfels selbst bietet dem Reisenden kaum Sehenswürdigkeiten, sieht man von der heißen Quelle ab, deren schwefeliges Wasser bei Alchimisten sehr beliebt ist, aber auch bei den Einwohnern als heilsam für Körper und Geist gilt. Die Tempel der Stadt sind den Göttern Praios, Rondra, Peraine, Ingerimm und Boron geweiht.
Die mittlere Burg, Bergheim geheißen, in den Hügeln im Osten der Stadt ist der Sitz des Landvogtes. Sie thront auf einer einsamen Klippe der Koschberge und überragt die Stadt. Sie ist ein überbleibsel des Grafen, wie vieles in dieser Gegend.
Hier gibt es nur etwa 100 einzelne Gehöfte und Weiler, die über das Land verteilt sind, darunter vier große Gutshöfe und ungefähr 30 mittlere und größere Höfe. Die restliche Bevölkerung lebt in kleinen Gehöften, Hirtenstallungen oder Waldbauernhöfen - und den fünf Dörfern der Grafenmark.

Das 450 Einwohner zählende Erzenschöffer unter seinem Dorfvorsteher Regolan Trek bietet neben Bauern auch 130 Bürgern und etwa 100 Bergleuten Heimat, wobei letztere in der Erzmine arbeiten, für die das Dorf so berühmt ist. Es gibt einen Traviatempel, einen Ingerimmschrein; Markttag ist einmal in der Woche. Berühmt ist das Dorf jedoch für seinen Schmuck und seine Waffenherstellung, die von dem Zwergenschmied Flint Schmiedefeuer geleitet wird. Selbst der Landvogt kauft die meisten Waffen bei ihm. Auch gibt es hier ein gutes und sauberes Gasthaus, genannt "In der Höhe".

Das zweite Dorf, Koschstein, hat nach den Steuerlisten des Landmeisters 520 Einwohner. Hier findet der Reisende einen Travia- und einen Perainetempel, sogar einen Rondraschrein, der von dem Landvogt selbst gestiftet wurde. An jedem Marktag (einmal die Woche) trifft man hier auf den Rondrageweihten Tarsinion Terra, der das Volk mit eifrigen Reden auf die Bedrohung durch den Dämonenmeister vorbereitet. Auch wenn ihm so recht keiner zuhören will. Neben vielerlei Handwerkern und Händlern gibt es hier auch noch einen Edelsteinhändler und gar ein kleines Bordell, welches, so hat es den Anschein, den Rahjatempel ersetzen soll. Doch viele Besucher dieses Etablissements müssen sich nach ihrem Besuch beim Medikus des Dorfes behandeln lassen. Zwei Gasthäuser sorgen für das Wohl der Durchreisenden - zum einen die noble Königsburg, zum anderen die deutlich billigere, aber fragwürdige "Schöne Aussicht".

Die dritte nennenwerte Ansiedlung in der Gratenfelser Grafenmark ist das Dorf Klein-Gratenfels mit trotz seines Namens stolzen 690 Einwohnern. Hiervon besitzen 144 die Bürgerrechte. Die Vorsteherin Helan Trappendorf, eine energische Frau und eifrigeVerfechterin des Zwölfgötterglaubens, die am liebsten von jedem Gott einen Tempel in ihrem Dorf wüßte. Doch gibt es hier nur, wie in den meisten Dörfern, den Travia- und Perainetempel, die allerdings sehr stark frequentiert werden. Hier findet der Reisende sogar einen Barbier und einen Bogenbauer. Dieser, Isi Sonnenschein, ist ein Auelf und der Fremdenführer für die ganze Gegend. Da er mit dem Landvogt gut befreundet ist, nimmt auch dieser hin und wieder seine Dienste in Anspruch. Der Markt hier findet einmal pro Woche statt.

Das kleine Grenzmark mit seinen 290 Einwohnern schließlich liegt im Norden der Grafenmark. In diesem götterverlassenen Kaff sorgt der Dorfälteste Taran Zauberkessel für Ordnung. Wenn hier ein Sack Korn umfällt, dann ist das schon ein wichtiges Ereignis. Es gibt nur einen Perainetempel und dieser ist als solcher nicht einmal zu erkennen, da die alte Blockhütte mit dem Peraineschrein schon leicht verfallen ist. Der letzte Geweihte ist noch unter der Führung von Graf Baldur Greifax ausgewandert und seitdem gab es keinen neuen, der sich hierher verirrte.
Die fünfte Siedlung, Buchenweiher, ist nur um 80 Einwohner größer. Hier steht die Traviageweihte Delorora Kammergrad den 84 Bürgern und restlichen Bauern vor. Sie ist die Vorsteherin des hiesigen Tempels und sie war es auch, die nach jahrelangen Verhandlungen dem Landvogt abringen konnte das "ius prima noctis" abzuschaffen, was dieser bestimmt nicht gerne tat. Ansonsten gibt es hier wenig was den Reisenden interessieren könnte. Die Hebamme am Ort hat wenig zu tun, weil die Einwohnerzahl eher rückläufig ist. Fast niemand verirrt sich hierher und auch der Markttag findet nur zweimal im Monat.

Wieviel prächtiger ist da doch die größte und schönste Stadt bei uns in der Grafenmark Gratenfels! Das Hotel "Zum Letzten Held" sei jedem empfohlen, der für eine Nacht mehrere Dukaten übrig hat. Dem Rest stehen die vier Gasthäuser offen: Der "Saubere Tisch", "Zum Wilden Einhorn", "Der Heerführer" sowie "Das Leinentuch". Die zwei Schenken "Bei Ulrik" und "Stadtwache" sind gut bürgerlich, obwohl sie kein Bürger besucht, sondern mehr Abenteurer und Gardisten. Hier bekommt man allerdings das beste Gratenfelser Gerstenbier, das aus der stadtansässigen Brauerei stammt. Der Besuch des örtlichen Badehauses ist mit Vorsicht zu genießen, da es sich hierbei auch um ein Bordell handelt. So kann es das teuerste Bad des Reisenden überhaupt werden. Doch das der Landvogt selbst hier ab und zu einkehrt spricht wohl für dieses Haus, welches vom Mutter Lana geführt wird.

Es gibt zwei Heiler in der Stadt und einen Quacksalber vor den Toren, der die Bauern der Vorstadt ausnimmt wie ein Blutsauger. Da die Stadt günstig liegt gibt es viele Durchfahrende und jeden Tag in der Woche findet der Markt statt. Seit diesem Jahr sind die Preise stabil und die Qualität ist auch nicht mehr ohne.
Zuletzt sei noch die Vorstadt Gratenfels erwähnt. Dort leben die ärmsten der Armen, die Aussätzigen, Kranken und Vertriebenen. Im Jahre 22 vor Hal ließ der Wahnsinnige und an Verfolgungswahn leidene Graf Baldur Greifax knapp 350 Bürger der Stadt verbannen, da er glaubte diese seien mit einer Krankheit infiziert, die ihn vernichten sollte. Doch der damalige Vogt Burian von Ibenburg- Ibenburg erwirkte zu mindestens das Recht für die vertriebenen Bürger, daß sie außerhalb der Stadt nahe der Stadtmauer leben durften. Nun, fast 60 Jahre später, ist die Vorstadt auf gut 450 Menschen angewachsen. Das Bild ist geprägt von ärmlichen Holzhütten, Strohkaten und Zelten. Viele Straßenhändler, Bettler und Krüppel versuchen hier dem Besucher Gratenfels einige Kreuzer aus der Tasche zu locken. Der kleine Peraineschrein, geführt von seiner Gnaden Alueh Wera, ist immer gefüllt, denn durch Schmutz und Ungeziefer haben sich viele Krankheiten ausgebreitet. Die meisten der Menschen leiden an dem Jahresfieber, so daß seine Gnaden gar nicht nachkommt, daß heilende Gebräu aus Sansaro, Quinja und Donf zu brauen. Marktag, so weit man ihn so nennen kann, findet zweimal im Monat statt. Die Qualität der Waren läßt zu wünschen übrig und die Preise sind für die Qualität fast Wucher. Nur das Handwerk scheint seinem Ruf gerecht zu werden: "Schlecht aber billig!!!"

Dies habe ich, Schreiber Bordan Rallerhaun, im Auftrag des Landvogtes im Jahre 27 nach Hal zusammengetragen.

 

 

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