Grau_Web_NM_Farbig071104_250mm

Zurück

Adel in den Nordmarken

Der nordmärkische Adel in Elenvina, Isenhag und Albenhus stammt überwiegend von den güldenländischen Einwanderern ab, wohingegen die Adeligen der Landgrafschaft Gratenfels ein bunteres Gemisch darstellen, da sie mehrheitlich bei der Neubesiedelung des Gebietes um 400 vor Hal in diese Ämter eingesetzt wurden. Der Adel der Nordmarken gilt landläufig als einer der mächtigsten und selbständigsten des ganzen Reiches, was aber bei näherer Betrachtung nicht ganz richtig ist: Die herzögliche Familie hat es spätestens seit den Erbfolgekriegen erfolgreich geschafft, mit Ausnahme der Greifax‘ von Gratenfels jegliche Konkurrenz innerhalb der Nordmarken kleinzuhalten. Diese Politik führte dazu, dass in den Nordmarken zuerst der Herzog kommt, dann lange nichts, dann die Greifax und dann der Rest. Konkurrenzsituationen wie in Darpatien oder Albernia sind undenkbar. Dadurch, dass der Herzog ihm gegenüber loyale Adlige auch entsprechend fördert, ist in den Nordmarken eine überwiegend herzogstreue Adelsschicht entstanden, die in den meisten anderen Provinzen ihresgleichen sucht. Die Grafen sind durch diese Situation in die unangenehme Lage geraten, ihre Autorität nach oben gegen den Herzog und nach unten gegen die Barone verteidigen zu müssen. Nur sehr findigen und durchsetzungsfähigen Grafen ist es daher gelungen, ihre Machtposition zu verteidigen. Kein Baron (und kaum ein Graf) kann sich eine Intervention des Herzogs erlauben.

Der Niederadel ist nicht selten älter als die über ihm stehenden Barone und hat seit Jahrhunderten gute Beziehungen zum Herzogenhaus, das die Edlen und Junker oftmals für seine Zwecke einzusetzen versteht. Die Ritterschaft ist in den Nordmarken sehr stark, der Ritter geradezu der Inbegriff des Adligen. Ein Adliger ohne abgeleisteten Knappendienst wird selten für voll genommen, wenn er nicht auf einem anderen Gebiet zu brillieren versteht, und die Stärke eines Adligen wird an der Zahl Ritter (und nicht etwa Söldlingen oder Landwehrleuten) gemessenen, die er ins Felde führen kann. Daher müssen die Nordmarken zusammen mit Weiden und Greifenfurt als Zentrum des mittelreichischen Rittertums gelten.

Der nordmärkische Adel ist weiter von zwei Eigenarten geprägt: Nach aussen hin wirkt er wie eine verschworene Gemeinschaft, die fest wie ein Felsen zu ihrer Meinung oder in ihrem Auftreten, und genauso auch zumeist hinter ihrem Herzog steht. Sollte ein Nicht-Nordmärker etwas gegen einen Adligen aus dem Herzogtum unternehmen, so lernt er häufig die Ablehnung der meisten anderen nordmärkischen Edelleute kennen. Sie kochen ihr eigenes Süppchen und festigen dabei dennoch die Position der Nordmarken im Mittelreich, ohne viel auf ihren „guten Ruf“ unter den anderen Provinzen Rücksicht zu nehmen. Nach innen hin ergibt sich jedoch ein völlig anderes Bild: hier traut kaum ein Nordmärker einem anderen über den Weg – fast jeder spinnt seine eigenen Intrigen, folgt seiner eigenen Machtgier und muss bedacht sein, nicht alles an den bösen Nachbarn zu verlieren. Die meisten Fehden werden jedoch nur „im kleinen Rahmen“ ausgetragen, da niemand riskieren will, plötzlich die herzögliche Flussgarde in seiner Baronie oder seinem Gut stehen zu haben. So gibt es durchaus Streitigkeiten, doch nicht in dem Ausmasse wie in Almada oder gar Darpatien.

Erwähnen sollte man noch die derzeitige Rolle des Hochadels: Selten hat es vor Jast Gorsam einen Herzog gegeben, der mit harter Faust über die Nordmarken herrschte, und dennoch bei seinen Vasallen derart hoch im Ansehen stand - selbst in der traditionell eher aufsässigen Grafschaft Gratenfels. Zum einen liegt dies wohl an seinen Erfolgen, das Herzogtum aus allen größeren Konflikten herauszuhalten und die Wohlfahrt seiner Untertanen zu sichern. Die Nordmarken sind unter Jast Gorsams Herrschaft zu einer der einflussreichsten Provinzen des Neuen Reiches geworden, und in diesem Ruhm sonnen sich auch Baron und Junker gern. Zum anderen ist die Position der nordmärkischen Grafen schwach wie seit Generationen nicht. Graf Alrik von Gratenfels mag ein fähiger Herrscher sein, doch hat er – anders als die meisten seiner Vorgänger – nur eine Minderheit seiner Barone hinter sich; Gräfin Calderine von Albenhus kann sich als ehemalige Answinistin keine Eskapaden mehr erlauben; und Graf Ghambir vom Isenhag interessiert sich als Zwerg schlichtweg nicht für die kurzlebigen Geschäfte der Menschen.

 

Bürger und Bauern in den Nordmarken

Die Bauern der Nordmarken unterscheiden sich wenig von den Bauern anderer Provinzen. Sie verrichten als Unfreie, Halbfreie oder Freie ihr Tagwerk und dienen ihrem Herrn, der sie vor Unbill beschützen soll. Sie haben ihren eigenen (Dick-)Kopf, weichen von einer einmal eingeschlagenen Richtung kaum wieder ab, sind traditionsbewusst („das war schon immer so, warum sollte es sich ändern - das wäre nur ein schlechtes Zeichen“) und stur, gehen jedoch mit Ruhe und Gelassenheit gewissenhaft ihrer Arbeit nach. Sie sind vielleicht etwas abergläubischer und gemütlicher als ihre Pendants in anderen Provinzen, bestellen aber ihre Felder genau so wie jeder andere Bauer auch; nur dass ihre Ernten regelmäßig etwas höher ausfallen als die der Provinznachbarn, was den regelmäßigen Niederschlägen und den reichlich vorhandenen fruchtbaren Böden zuzuschreiben ist - ein Resultat des vulkanischen Ursprungs von Teilen der Koschberge und der Ingrakuppen. So sind die Äcker ertragreich, die Weiden saftig, und für den Landmann bleibt auch nach dem Zehnt meist noch genug für einen bescheidenen Wohlstand. Insgesamt ist die Bauernschaft jedoch nicht ganz so bedeutend wie in den anderen Provinzen, da die Handwerkerschaft recht stark ist. Der Anteil Freier steigt, je weiter man innerhalb des Herzogtums firunwärts und rahjawärts kommt. In den nördlichen Gegenden Gratenfels', wo die unmittelbare Bedrohung durch Schwarzpelze noch immer vorhanden ist, konnten sich freie Bauern leichter gegenüber dem Adel behaupten. Nicht vergessen werden dürfen die Fischer am Grossen Fluss, die ihren Teil zum Nahrungsmittelangebot in den Marken beitragen – roten Flußkrebs und Forellen können sich auch ärmere Leute bisweilen leisten.

Das Bürgertum ist zwar weder besonders gross an Zahl, noch finden sich überregional bedeutungsvolle Familien im Volk der Nordmarken, dennoch aber hat das Bürgertum seinen festen Platz in der Ständegesellschaft. Die Bürger sind in den Nordmarken recht selbstbewusst, denn der Handel, der die am Grossen Fluss gelegenen Teile der Provinz reich gemacht hat, liegt zu einem wichtigen Teil in ihren Händen. In den wenigen, grossen Städten der Nordmarken geben die bürgerlichen Patrizier den Ton an, hier geschieht kaum etwas ohne ihre Zustimmung. Aber auch das Bürgertum weiß, dass es seinen wirtschaftlichen Erfolg der Politik des Herzogs und der Stärke des Adels zu verdanken hat. Man weiß, wie weit man gehen kann, und mit welchen Forderungen man es sich bei den Machthabern verscherzt. Darum ist es in den Nordmarken nicht (wie etwa im Horasreich oder auch Garetien und Almada) zu befürchten, dass aus den bürgerlichen Reihen Ansprüche auf Adelsprivilegien erwachsen.

Die Zwerge sind in manchen Gegenden wohl wichtig für die Kultur – immerhin waren sie „zuerst da“ -, nicht aber, wie im Kosch, allgegenwärtig prägend, sondern eher als geheimnisvolle Durchreisende und wortkarge Handelspartner bekannt. Denn zwar leben viele vom Volk der Erzzwerge in Stollen und Bingen unter dem Eisenwald und den von Menschen besiedelten Hängen der Ingrakuppen. Größere Siedlungen gibt es jedoch lediglich im Albenhuser Ortsteil Alben, Gräflich Nilsitz und natürlich dem Bergkönigreich Xorlosch. Dass ein wahrer Tag des Zorns über die Nordmarken hereinbrechen würde, sollten sich die Tore der Zwergenstadt Xorlosch einmal öffnen und ein vieltausendköpfiges Heer das Herzogtum stürmen, ist in den gebirgsfernen Regionen ein üblicher, vom Adel aber wenig geschätzter Volksglaube.

Tracht und Gewandung

Hier unterscheiden sich die Nordmärker recht wenig von den übrigen Mittelreichern. Der Adlige versucht, sich durch seine Gewandung klar von den primitiven und tumben Andergastern und Weidenern auf der einen und den eingebildeten und schnöseligen Garetiern, Almadanern und Vinsaltern auf der anderen Seite abzugrenzen. So wählt man einen Mittelweg, der betont, dass man sich die Stutzerkleidung sehr wohl leisten könnte, aber man dies nicht für notwendig hält, sondern lieber robuste Kleidung trägt, die die eigene Wehrhaftigkeit und Unabhängigkeit betont. Der männliche Adel trägt gerne Wappenröcke, die ein Symbol für Wehrhaftigkeit sind. Auch in dunklen Farben gehaltene Samtkleidung mit Pelzbesatz wird gern getragen. Umhänge in allen Variationen und mit allen möglichen Verschlussarten sind zu jeder Zeit sehr beliebt. Stiefel sind die bevorzugte Fussbekleidung, auf dem Kopf trägt der Herr von Stand entweder ein Barett oder eine Sendelbinde, zum Wappenrock auch gerne eine Gugel aus feinem Stoff oder Wildleder. Die holde Weiblichkeit gewandet sich in weite, meist bestickte Röcke und trägt dazu feine, teils mit Schmucksteinen besetzte Haarnetze oder der Tracht entsprechende Hauben.

Auch der Bürger schätzt nicht die übertriebene Gewandung, so dass hier gleichfalls Nützlichkeit vor Zierde geht: Sogar die Zunftvorsteher kleiden sich noch in ihre traditionellen, bis ins Detail durch Zunftordnungen vorgeschriebenen Trachten. Ein wichtiger Grund für diese Traditionsliebe sind wohl auch die empfindlichen Strafen, die Städte und Zünfte bei Mißachtung ihrer Gesetze androhen. Gerade in den Städten bestimmen diese Verordnungen mehr als alles andere das Äussere der Nordmärker, und es gibt niemanden, der gegen sie aufbegehren wollte.

 

 

[Land & Leute] [Land] [Grafschaften] [Baronien] [Städte] [Leute] [Handwerk] [Handel] [Sitten & Gebräuche]