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Sitten und GebrÀuche

Die Feiern und Feste der Nordmarken sind fest in den zwölfgöttlichen Jahreslauf eingebunden, so dass hier kaum Abweichungen zum sonstigen Mittelreich festzustellen sind. Weithin bekannt ist jedoch der Elenviner Umzug am 22. Rondra,  an dem die Truppen des Herzogtums in der Hauptstadt paradieren. Bei fast allen anderen Festen lassen sich regionale Schwerpunkte ausmachen, am Grossen Fluss und an der Galebra werden bespielsweise andere Fischerfeste abgehalten als an Tommel und Nabla. In der ersten Woche des Phexmondes findet traditionell in Elenvina der Roß- und Wagenmarkt statt, der HĂ€ndler und ZĂŒchter von nah und fern anzieht. NatĂŒrlich werden am 1. Praios landesweit UmzĂŒge veranstaltet, mit welchen der Sieg der Zwölfe ĂŒber den Namenlosen gefeiert wird. Doch auch im Laufe des Firunmondes findet ĂŒberall mit dem "Winteraustreiben" ein grosses Fest statt, wenn die Tage wieder lĂ€nger werden. Bunt verkleidet und mit wilden Larven maskiert ziehen junge Leute dabei laut lĂ€rmend durch die Gassen, um die WinterdĂ€monen auszutreiben. Diese verbrennt man nach Einbruch der Dunkelheit auch symbolisch in Form einer Strohpuppe auf dem Scheiterhaufen. Dass bei dieser Feier getanzt und getrunken wird, versteht sich von selbst. Der Adel hingegen pflegt in der Mittsommerjagd auf allerlei wilde Tiere einen alten Brauch. Überhaupt ist die Jagd der Zeitvertreib fĂŒr die Person von Stand – selbst die schwierige Jagd mit Greifvögeln ist sehr beliebt und der Falkner einer der angesehensten Berufe.

Die NordmĂ€rker gelten nicht zu unrecht als recht aberglĂ€ubisch, und das Mißtrauen gegenĂŒber allem Fremden und Unbekannten ist gross, und wird nur durch die Zusammengehörigkeit untereinander ĂŒbertroffen. Diesen Wesenszug der NordmĂ€rker findet man auf allen Ebenen: Die Bauernfamilie, die mißtrauisch ihre eigenartigen Nachbarn beĂ€ugt, findet man allenthalben, und vor allem in den Bergen sind die Leute sehr verschlossen, mißtrauisch allen und allem Fremden gegenĂŒber. Ebenso findet man aber die feste Dorfgemeinschaft, die in jahrelanger Feindschaft mit dem Nachbarort liegt. Und das einheitliche Auftreten des untereinander tief zerstrittenen nordmĂ€rkischen Adels auf Reichstagen ist schon fast legendĂ€r. Dass nichts besser eint, als der gemeinsame Feind, ist in den Nordmarken mehr als offensichtlich.

Leicht vergessen werden dabei zwei weitere WesenszĂŒge der NordmĂ€rker: Sparsamkeit und Fleiß, beides schon sprichwörtlich (siehe „Redensarten“). Das Volk ist bodenstĂ€ndig und dem Neuen wenig aufgeschlossen, das Alltagsleben ist geprĂ€gt von NormalitĂ€t: Ein Horn auf der Stirn des Helden mag im Tulamidenland stimmungsvoll sein, aber in den Nordmarken macht es jedes Abenteuer zunichte. Und es ist nicht gĂ€nzlich falsch, dem NordmĂ€rker an sich ein grundlegendes Mißtrauen gegenĂŒber Bewohnern anderer, weniger selbststĂ€ndiger Provinzen des Reiches zuzuschreiben: Der "aufgeblasene" Garetier, der "mit den Feen im Bunde stehende" Albernier, der "jĂ€hzornige" Almadaner und natĂŒrlich der Koscher, ĂŒber den jedes Wort verschwendet wĂ€re. Mit besonders viel Mißtrauen haben die seltenen Elfen und Halbelfen zu rechnen, von denen es in den gesamten Nordmarken höchstens einige Dutzend gibt.

Redensarten

Bauernregeln passen vorzĂŒglich als Redensarten der nordmĂ€rkischen Landbevölkerung. Bekannt sind NordmĂ€rker auch dafĂŒr, dass sie Dinge generell verbal unterbewerten. „Nicht geschimpft ist genug gelobt“, auf diesen Punkt kann man jene Sitte bringen. Wenn der Gast im albenhuser Wirtshaus gefragt wird, ob es geschmeckt hat, und er antwortet „Man hat's essen können.“ ist das ein kleines, „Es war nicht schlecht.“ ein sehr grosses Lob. Ebenso bedeutet auf die Frage, ob man satt geworden sei die Antwort „Es war reichlich.“ soviel wie „Ich habe soviel gegessen, dass ich nicht mehr heimlaufen kann.“ „Der Hunger treibt's rein, der Anstand behĂ€lt's drinnen.“ ist hingegen ein unmißverstĂ€ndlicher Beleg dafĂŒr, dass das Essen nicht geschmeckt hat - doch das wĂŒrde der NordmĂ€rker dem Wirt nie offen sagen. Dazu bruddelt (schimpft) er vielzu gerne hintenrum. Weiter typisch ist die regelmĂ€ĂŸige Verwendung von Euphemismen: Das Sprichwort „Verbohrt (oder: stur) wie ein NordmĂ€rker.“ bezieht sich auf die bekannte Dickköpfigkeit. Eine Tugend aber, auf die man im Herzogtum durchaus stolz ist - wenn man sie als „Zielstrebigkeit“ oder Ă€hnlich schön umschreibt.

ErwĂ€hnt wurde schon die Drahtzieherei, deren Doppeldeutung Einzug in den Wortschatz des gesamten Reiches gefunden hat: Mit einer List soll ein frĂŒher, nordmĂ€rkischer Siedler einen Zwergen zur Abtretung eines grossen StĂŒckes Land gebracht haben. Der Angroscho wollte dereinst einem nordmĂ€rkischen Bergmann einen erztrĂ€chtigen Hang nicht ĂŒberlassen, doch brachte ihn der NordmĂ€rker zu einem Kompromß; er sollte soviel Land erhalten, wie er mit einem aus einem Klumpen Erz gezogenen Drahtzaun umfassen könne. Der Prospektor aber ließ aus dem Erz keinen Maschenzaun machen, wie es der Zwerg gedacht, sondern einen einzigen, dĂŒnnen Draht, den er mit Holzpflöcken zu runder Form brachte. So konnte er fast den gesamten Hang in seinen Besitz bringen. Doch dies ist nur eine Bedeutung, die man dem Wort zu schreibt. So wird den nordmĂ€rkischen Drahtmachern nachgesagt, aus dem Rohstahl möglichst dĂŒnnen Draht zu ziehen zu suchen, um einen höheren Gewinn zu erzielen. Andernorts bezieht man das „Drahtziehen“ auch auf den nordmĂ€rkischen Adel, der wie ein Puppenspieler die Marionetten hinter den Kulissen an den DrĂ€hten zieht.

„Was der NordmĂ€rker einmal hat, gibt er nimmermehr her“, das sagen die Bewohner des Herzogtums ĂŒber sich selbst nicht ohne gewissen Stolz. WĂ€hrend sie es aber auf ihre Sparsamkeit beziehen, werfen ihnen ihre Nachbarn aus Almada oder Albernien (und inzwischen auch die Weidener) eher Habgier oder gar Geiz vor. „Sparsam wie ein NordmĂ€rker“ heißt es darum im Herzogtum, „Geizig...“ eher ausserhalb. Dabei unterscheidet man hierzulande sehr wohl zwischen Geiz und Sparsamkeit: „Ausgeben kann man nur, was man gespart hat“, und wenn die nordmĂ€rkische Bauersfrau auf dem Jahrmarkt etwas besonders Schönes sieht, greift sie ohne Gewissensbisse in den Sparstrumpf.

„Auf nordmĂ€rkischen Granit beißen“ spielt sowohl auf die Sturheit der NordmĂ€rker als auch auf die Festigkeit dieses in den Mittelgebirgen des Herzogtums verbreitete Gestein an.

„Eine Lanze fĂŒr etwas/jemanden brechen.“ Abgeleitet von der ritterlichen Sitte, mit angelegter Lanze fĂŒr die Richtigkeit einer Sache einzutreten hat diese Wendung Eingang in den Wortschatz der nordmĂ€rkischen Bevölkerung gefunden.

„Arm wie ein Koschbaron.“ stammt daher, dass die Rechte der meisten koscher Minen - anders als auf Gratenfelser Seite - mehrheitlich in den HĂ€nden der Zwerge liegen.

„Einig wie die NordmĂ€rker.“ besitzt sogar zwei Bedeutungen: Einerseits spielt die Redensart auf das geschlossene Auftreten des Adels nach aussen hin an, andererseits ist sie ironisch gemeint und bedeutet, dass kaum ein nordmĂ€rkischer Baron seinem Nachbarn traut, eine vorgeblich einige Gruppe also hoffnungslos zerstritten ist.

„Gratenfelser GießmĂŒnzenpolitik“ wird in vielen unterschiedlichen Bedeutungen verwendet, zielt aber auf das GerĂŒcht, dass der verrĂŒckte Graf Baldur Greifax falsche SilbermĂŒnzen habe gießen lassen, anstatt sie zu prĂ€gen. Wenn also jemand etwas besonders Unsinniges tut, sich selbst eines Fehlers ĂŒberfĂŒhrt oder vorgibt, mehr zu sein, als er ist - immer passt der Begriff der „GießmĂŒnzenpolitik“.

Mit „das war gehĂŒpft wie gesprungen“ meint man, daß es egal war, ob man etwas gemacht hat oder nicht.

„Was juckt es die nordmĂ€rkische Eiche, wenn sich eine ... (beliebig einsetzbar) Sau an ihr kratzt?“ (beliebt ist derzeit der „Weidener TanzbĂ€r“)

Der unheimliche Köhler mit seinem verrussten Gesicht dient vor allem in den kultivierteren Gegenden der Nordmarken als Kinderschreck. „Der Köhler soll dich holen.“ sagt man allgemein, wenn man jemandem zum Namenlosen wĂŒnscht.

Speisen (mangerße) und GetrÀnke

Hier legt man Wert auf heimische Produkte, am besten Erzeugnisse aus der eigenen Baronie. Gerste, Dinkel, Roggen und Hafer sind die wichtigsten Getreide der Nordmarken, Weizen fĂŒhrt man, so notwendig, aus Garetien ein. Die ĂŒbliche Mahlzeit des einfachen NordmĂ€rkers ist schlicht, aber nahrhaft: Brot und KĂ€se, dazu vor Ort gebrautes Bier, an Feiertagen auch Wurst, und wegen des gĂŒnstigen Klimas eine breite Palette an Obst und GemĂŒse. Die reichen Grossbauern, Handwerker und BĂŒrger können sich Braten vom Schwein, Rind oder GeflĂŒgel, am Grossen Fluss auch Fisch leisten. GrossbĂŒrgertum und Adel essen wie ĂŒberall im Reiche weit Erleseneres als der Rest der Bevölkerung: Hier gehört Wildpret auf den Tisch, und getrunken wird, was schmeckt, sei es nun Bier oder Wein. Begehrt sind Efferds Geschenke aus dem Grossen Fluss: fette Aale, zarte Forellen oder köstlicher Flusskrebs und was sonst noch so alles die Gaumen zu erfreuen vermag. Das Brot besteht in diesen Kreisen fast nur aus teurem, importiertem Weizen.

Getrunken wird einheimisches Bier, fĂŒr besondere AnlĂ€sse hat man jedoch auch noch kleinere Besonderheiten im Keller liegen. Bier gibt es zuhauf in den Nordmarken, fast in jedem Ort wird gebraut, wenn auch nur wenige Brauereien ĂŒber ihre Baronie hinaus bekannt sind. FĂŒr die Wichtigkeit des Bieres sind auch die Zwerge verantwortlich, von denen die Menschen das Brauen vor langer Zeit wohl gelernt haben. Weinbau findet hauptsĂ€chlich in der Elenviner Gegend sowie entlang des Grossen Flusses und seiner ZuflĂŒsse statt, hat aber kaum ĂŒber die Grenzen des Herzogtums hinausreichende Bedeutung. Dank des gĂŒnstigen Klimas floriert auch die Imkerei, insbesondere auf der Gratenfelser Heide, und wo es viel Honig gibt, da lĂ€ĂŸt sich auch Met gut brauen.

 

Typische...Weine:

Tsafelde SĂŒdhang (rot), Zikadenfels Auslese (weiß)

SchnÀpse:

Rahjablut

Liköre:

KleinhĂŒttener Pflaume

Biere:

Herzogenfurter HerzogsbrÀu, Baron-Olk-Gore, Kahnhalter (Altbier)

 

Der Bauer und der BĂ€r – oder: Woher die KnurrpfĂŒtz ihren Namen hat:

Einst lebte in Zwackelfegen ein kluger Bauer. Als er eines Tages auf dem Felde war und seine RĂŒben erntete, da trat ein hungriger BĂ€r aus dem Wald. "Was tust du da, Bauer?", fragte der BĂ€r. "Ich ernte RĂŒben", antwortete der Bauer. Da sprach der BĂ€r: "Bauer, ich habe Hunger, und drum fresse ich dir deine RĂŒben." "Ach, wenn's denn sein muss", sagte der Bauer, "doch sag: willst du lieber das, was ĂŒber der Erde wĂ€chst, oder das, was darunter wĂ€chst?" - "Was darĂŒber wĂ€chst natĂŒrlich!" rief da der BĂ€r. So bekam er die BlĂ€tter, und der Bauer trug die RĂŒben heim.

Am nĂ€chsten Tag war der Bauer in der Scheune und drosch sein Korn. Da trat wieder der BĂ€r aus dem Wald, und diesmal hatte er grossen Hunger, denn er hatte ja gestern nichts Rechtes zu fressen bekommen. "Was tust du da, Bauer?", fragte der BĂ€r. "Ich dresche mein Korn", antwortete der Bauer. Da sprach der BĂ€r: "Bauer, ich habe grossen Hunger, und drum fresse ich dir dein Korn." "Ach, wenn's denn sein muss", sagte der Bauer, "doch sag: willst du lieber den grossen Haufen oder den kleinen Haufen?" - "Den grossen Haufen natĂŒrlich!" rief da der BĂ€r. So bekam er die Spreu, und der Bauer trug das Korn heim.

Am dritten Tag war der Bauer in der Stube und röstete Kastanien. Da trat wieder der BĂ€r aus dem Wald, und diesmal hatte er einen BĂ€renhunger, denn er hatte ja drei Tage nichts Rechtes zu fressen bekommen.  "Was tust du da, Bauer?", fragte der BĂ€r. "Ich röste Kastanien", antwortete der Bauer. Da sprach der BĂ€r: "Bauer, ich habe einen BĂ€renhunger, und drum fresse ich dir deine Kastanien." "Ach, wenn's denn sein muss", sagte der Bauer, "doch sag: willst du lieber die kleinen braunen oder die grossen roten?" - "Die grossen roten natĂŒrlich!" rief da der BĂ€r. Und mit beiden Pranken langte er in die Glut, nahm die grossen roten Brocken heraus und schlang sie herunter. Da erst merkte er, dass er die glĂŒhenden Kohlen gepackt und gefressen hatte und dass sie ihn nun inwendig verbrannten. Um das Feuer zu löschen, stĂŒrzte er sich kopfĂŒber in den Teich, und jĂ€mmerlich brummend und knurrend sass er dann darin. So kommt's, dass die KnurrpfĂŒtz diesen Namen trĂ€gt, und wenn du's nicht glauben magst, dann denk dir eine bessere Geschichte aus.

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