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Gesang & Dichtung
Höfischer Minnesang auf der einen und der wandernde Barde, der bei Dorffesten zum Tanze aufspielt, auf der anderen Seite bestimmen die unterhaltenden Künste in den Nordmarken, die sich damit nicht sonderlich von der mittelländischen Norm unterscheiden. Die Dichtkunst wird zum größten Teil auch von den Barden getragen und hat sich noch nicht vom Gesang emanzipiert. Es gibt viele Sagen, die vertont oder aus denen Lieder bekannt sind, und nicht selten handelt es sich dabei um melancholische Balladen, die selten glücklich enden. Düstere Heldendichtungen über tragische Ritter und geheimnisvolle Mären aus aus tiefen Wäldern und dunklen Gebirgen sind typische Themen. Erstaunlicherweise aber brillieren bei den grossen Sangeswettbewerben im Reiche mit steter Regelmäßigkeit nordmärkische Troubadoure (fahrende Ritterbarden). Denn die Kunst der Hohen Minne wird hierzulande ebenso hochgehalten wie das Schmieden langer Questenlieder, selbst bei eher kriegerischen und rauhen Adelsfamilien. Ein reisender Minnesänger wird an den meisten Adelshöfen Aufnahme finden. Viele Erzählungen und Heldenlieder werden auch an bürgerliche Barden weitergegeben, sodass man im Herzogtum oftmals rascher über Geschehnisse anderswo Kunde erhält - die Rolle der Barden als wichtigste Boten von Neuigkeiten ist auch in den Nordmarken unbestritten. Als eine Hochburg des Praiosglaubens übt Elenvinas Wehrhalle auf die Lieder und Choräle der Priester des Götterfürsten Einfluss aus. Seit neuestem werden auch Gesangbücher und Choralsammlungen in den Druckereien Elenvinas gefertigt.
Der nordmärkische Bauer mag kein so begnadeter Sänger sein wie der Standesgenosse in Almada, dafür aber weiß er in der Regel eine ganze Reihe von Sagen und Gedichten zum Besten zu geben, die er abends am warmen Feuer seinen Kindern erzählt. Zudem kennt er eine Fülle von Bauernregeln und - weisheiten, die zwar nicht immer zutreffen, aber stets in schöner Reimform gehalten sind. Zum Volksgut gehört der Sagenkreis um den Bauern Dappert, bisweilen auch Deppert genannt, dem jedes nur erdenkliche Malheur zustößt, um doch durch seine Dummheit immer wieder zu entwischen und sogar Leuten Gutes zu tun, ohne davon allzu viel mitzubekommen.
Trinklied aus Dohlenfelde (Melodie: In München steht ein Hofbräuhaus)
Hesindes heller Fackel Segen - Hebt den Humpen!
Niemals ruht auf Zwackelfegen - Leert den Humpen!
Klug ist selbst ein Lackel gegen / All die Leut aus Zwackelfegen.
All' 'nen kleinen Schnackel hegen / Wohl die Leut aus Zwackelfegen.
Tut sich dieser Schnackel regen / Bei den Leut aus Zwackelfegen,
Stechen sie mit Wackeldegen / Andre Leut aus Zwackelfegen.
Dann liegt auf den Brackelwegen* / Eine Leich aus Zwackelfegen.
Und man tut ins Sackel legen / Diese Leich aus Zwackelfegen.
Hesindes heller Fackel Segen / Niemals ruht auf Zwackelfegen.
[*Brackel = (nordmärkisch) Kies, Schotter]
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